BAUCHBRUCH bei der (Zucht-)Stute

Stute mit hochgradigen Bauchbruch – hochträchtig

Im Verlauf der Trächtigkeit, besonders vor der Geburt des Fohlens kann es zu Zerreißungen der Bauchmuskeln oder Abriss der Bauchmuskulatur vom Becken der Stute kommen.

Das Risiko ist bei älteren Stuten erhöht, in den meisten Fällen liegen jedoch keine erkennbar prädisponierenden Faktoren vor.

Klinische Symptome:

  • Umfangsvermehrung im ventralen Bereich des Abdomens (Unterbauch)
  • Gering-hochgradig ausgeprägtes Unterbauchödem
  • Abgekípptes Becken und nach vorverschobenes verstrichenes Euter bei Abriss des geraden Bauchmuskels
  • Wiederholt Koliksymptome durch Verlagerung des Darms in das Bruchloch
  • Bewegungsunlust
  • Erhöhte Atem- und Herzfrequenz aufgrund der Schmerzen
  • Eutersekret kann blut bzw. serös sein
  • Nekrotische Gewebs- / Hautveränderungen aufgrund des erhöhtes Druckes – Hautnekrosen

Der „Bruch“ ist kaum palpierbar/tastbar, weil von rektal (Darmuntersuchung) das schon fast fertige Fohlen und von außen das ausgeprägte Ödem/Unterbauchschwellung dazwischen liegt. Das Ausmaß des Defektes kann daher nicht zuverlässig abgeschätzt werden.

Maßnahmen, um die Überlebenschancen der Stute und des Fohlens zu optimieren:

Intensive Betreuung und Kontrolle der Stute
(ständig anwesende Betreuungspersonen, Videokamera, spezialisierte Pferdeklinik)

Um eine Vergrößerung des Bruchs zu verhindern, sollte die Bewegung der Stute eingeschränkt werden – Boxen, Paddockruhe.

Eine vorzeitige Geburtseinleitung schafft für die Stute rasche Erleichterung, wird jedoch in fast allen Fällen mit der Geburt eines unreifen, nicht lebensfähigen Fohlens verbunden sein. Da auch bei Überleben der Stute die Zuchttauglichkeit oftmals nicht wiederhergestellt werden kann, d.h. dass es sich aller Voraussicht nach um das letzte Fohlen der Stute handelt, wird meist versucht, die Trächtigkeit bis zur Geburt eines lebensfähigen Fohlens zu erhalten.

Die Behandlung der Stute beschränkt sich auf unterstützende Maßnahmen wie Schmerzlinderung, Kreislaufunterstützung und eventuell Kot erweichende Diät. (Stuten die nicht auf derartige Medikation ansprechen, sollten euthanasiert werden.)

Eine Unterstützung der Bauchmuskulatur durch Bandagen bzw. Verbände kann versucht werden, bringt jedoch wenig, da diese sich oft stark dehnen oder verrutschen.

Wenn die Stute bis zum regulären Geburtstermin stabil ist, sind Geburtsprobleme zu erwarten, weil die Stute nicht in der Lage ist, die Bauchpresse ausreichend einzusetzen. Eine assistierte Geburt (ev. Lagekorrektur, Zughilfe) ist fast immer notwendig!

Die Stute sollte daher in Geburtsnähe kontinuierlich überwacht werden (oder, wenn die Geburt innerhalb von kurzer Zeit (wenigen Stunden) zu erwarten ist, eine Geburtseinleitung erfolgen, sodass sofort Geburtshilfe geleistet werden kann).

Zur Geburt sollte der Schweif bzw. Schweifrübe der Stute auf einer Länge von ca. 50 cm mit einer sauberen Bandage einbandagiert werden, damit keine Schweifhaare im Weg liegen.

Nach der Geburt kommt es meist zu einem deutlichen Rückgang des Ödems, sodass das Ausmaß des Bauchbruchs beurteilt werden kann. Wenn die Stute die Geburt selbst übersteht, ist ein Überleben möglich. Eine weitere Zuchtnutzung ist jedoch nur ausnahmsweise und nur bei sehr kleinen Läsionen möglich. Eine chirurgische Korrektur kommt wegen des Ausmaßes der Defekte fast nie in Betracht.


09.2018