Das alte Pferd

Das alte Pferd

Auszüge aus dem Programm der VÖP Herbsttagung 2012    

Erkrankungen der Zähne Ass. Prof. Dr. Hubert Simhofer (AT)
Wie ernähre ich ein Pferd, wenn “keine” Zähne mehr da sind? Univ. Prof. Dr. Jürgen Zentek (DE)
Herz- und Kreislaufprobleme beim alten Pferd Univ. Prof. Dr. Heidrun Gehlen (DE)
Equines Cushing Syndrom Dr. Bianca Schwarz, Dipl. ECEIM
Beweglichkeit bis ins hohe Alter Dr. Kai Kreling (DE)

Wann ist ein Pferd ALT?

In der Pferde-Zahnmedizin gilt ein Pferd als „alt“, wenn die Zähne die Schmelzanteile an den Kauflächen verlieren.

Dies kann individuell zwischen dem 15. und 30. Lebensjahr eintreten.

Leider ist die Wichtigkeit der Zähne im Pferdemaul noch vielen Pferdebesitzern nicht bewusst, denn es werden immer noch viele Pferde erst im letzten Lebensabschnitt dem zahnbehandelnden Pferdetierarzt vorgestellt.

Die Pferde-Zahnmedizin sollte zunehmend als prophylaktische Medizin verstanden werden.

Besonders alternde Pferde bedürfen aufgrund der sich ändernden physiologischen Gegebenheiten besonderer Beachtung.

  • Diastemata = vergrößerte Zahnzwischenräume, z.B. durch fehlende Zähne
  • Lockerung von Zähnen durch Parodontose
  • Verlust des Zahnschmelzes durch altersbedingten Abrieb – verlangt spezielle Fütterung des alten Pferdes da es sonst „vor der vollen Heuraufe verhungern würde“ (siehe unten)
  • Wellen-, Treppen- oder Scherengebiss
  • Gebrochene Zähne
  • Zahnabszesse
  • Zahnfleischerkrankungen
  • Neoplasien (Tumore) z.B. Plattenepithelkarzinom
  • EOTRH
    Eine Erkrankung des Zahnapparates die einhergeht mit Probleme bei der Futteraufnahme und Abbeißen von hartem Brot/Karotten etc., massive Zahnfleischentzündungen, kolbige Auftreibungen der Zahnanteile im Knochen, Verlagerung/“Verformung“ der Schneidezähne

Fütterung des alten Pferdes

Alte Pferde müssen nicht zwangsläufig mager sein oder werden! Sie brauchen eine ruhige Umgebung/Haltung mit ausreichend Zeit zum Fressen von adäquaten Futtermitteln!

Der Stoffwechsel des alten Pferdes hat spezielle Anforderungen. Das Futter kann bei abgeriebenen oder lückenhaften Gebiss nicht mehr ausreichend zermahlen werden. Dies kann eines der Gründe sein, warum Nährstoffe nicht mehr so leicht im Darm aufgeschlossen und resorbiert werden.

Mit Steigerung der Kraftfuttermenge kann ein mageres Pferd nicht aufgefüttert werden. Im Gegenteil, es wird dem Pferd dadurch nur geschadet.

Das alte Pferd braucht

  • ausreichend Raufutter in guter Qualität und verwertbarer Form
  • Energie – ohne den Kohlenhydratanteil unnötig in die Höhe zu treiben
  • Spurenelemente, Mineralstoffe und Vitamine in quantitativ und qualitativ entsprechender Form

Mögliche Futtermittel:

  • Heucobs/-pellets täglich mindestens 1 kg / 100 kg Körpermasse, gut aufgeweicht
  • Grünmehl
  • Zuckerrüben Trockenschnitzel 0,2 kg/100 kg Körpermasse, sehr gut aufgeweicht
  • Melasse 0,25 kg/100 kg Körpermasse
  • Kleie (Weizenkleie) 0,2 kg/100 kg Körpermasse
  • Leinsamen (auch heutzutage ist Abkochen noch empfehlenswert)
  • Kräuterzusätze
  • Bierhefe (Lebendhefe bevorzugen) 50 g/100 kg Körpergewicht auf den Tag verteilt
  • Hochwertige und gut ausgeglichene Spurenelement- (Zink, Selen, Mangan, Kupfer – und Mineralstoffmischungen (Verhältnis Ca:P 1,5-2:1)
  • Vitamin E – vor allem bei Ölfütterung
  • Hochwertige Proteinquellen – Sojaextraktionsschrot 50 g/100 kg Körpergewicht, Luzerne
  • Fertigfuttermischungen für „Senioren“
  • Pflanzenöle max. 1-2 ml/kg Körpergewicht sind (bei langsamer Gewöhnung und verteilter Fütterung über den Tag) sehr gut verträglich

Herz- und Kreislaufprobleme beim alten Pferd

Beim  alten Pferd kann eine Vielzahl von kardialen Erkrankungen auftreten, die auch bei jüngeren Pferden vorkommen.

  • Degenerative Herz- bzw. Klappenerkrankungen
  • Kongestive Herzerkrankungen
  • Aortenaneurysmen
  • Aortenrupturen, – fisteln
  • Aus chronischen Lungenerkrankungen resultierende Herzerkrankungen – cor pulmonale
  • Myocardveränderungen – Myocardfibrosen
  • Arteriosklerotische Veränderungen der Koronargefäße – selten

Mögliche klinische Anzeichen bei Herzproblemen:

  • Ödeme Unterseite Bauch und Brust
  • Ödeme an den Beinen
  • Schwankende Bewegungen – Stürze
  • Erhöhte Herzfrequenz
  • Unregelmäßige Herzfrequenz
  • Atembeschwerden
  • Kolikartige Symptome
  • Leistungsschwäche, Mattigkeit

Wie kann ein Herz-Kreislaufproblem diagnostiziert werden?

  • Klinische Untersuchung
  • EKG in Ruhe, unter Belastung, 24h Langzeit EKG
  • Ultraschall

Equines Cushing Syndrom

Es handelt sich um eine Störung der Hirnanhangsdrüse mit Auswirkungen auf das Hormonsystem. Betroffen sind vor allem Pferde ab einem Alter von 18 Jahre – manchmal auch jünger. Das Geschlecht und die Rasse spielt im Allgemeinen keine Rolle. Ca. 15 – 30% aller alten Pferde sind vom Cushing Syndrom betroffen.

Pferde mit EMS (Equinen Metabolischen Syndrom) erkranken häufig am Cushing Syndrom.

Klinische Symptome:

  • Störungen im Fellwechsel
  • Vermehrtes Schwitzen
  • Gewichtsverlust – oder auch Adipositas

09.2018