Knochenfissur:Ausheilung oder Desaster (Teil 2)

Die Story: das Desaster:

Teil 1

Jede x-beliebige Vorgeschichte – in diesem Fall:

Eine Warmblutstute, 10 Jahre, erfolgreich im Springsport mittlerer Klasse, nimmt an einem Wochenende mit Ihrem ständigen Reiter beim Springtraining teil.

Die beiden kommen schlecht an ein Hindernis, die Stute springt schließlich doch, schwindelt sich irgendwie über das Hindernis, landet mühselig, geht noch ein paar Galoppsprünge und zeigt plötzlich eine Lahmheit am Vorderbein.

Teil 2

Besorgt springt der Reiter sofort vom Pferd, alle Umstehenden untersuchen das Bein des Pferdes und geben Kommentare ab. Das Pferd wird an der Hand vorgeführt, es lahmt zwar noch, aber bei weitem nicht mehr so schlimm wie zuvor. „Es hat sich wohl verknackst.“ Weiteres Springtraining für dieses Wochenende wird gestrichen …. 1-3 Tage Boxenruhe mit z.B. Essigsaurer Tonerde (über das ganze Bein, denn Schwellungen sieht man nicht wirklich). Vielleicht findet sich auch noch der Rest eines Schmerzmittels vom Stallgefährten, welches dem Pferd vorsorglich verabreicht wird.

Teil 3

Das Pferd steht 1-3 Tage in der Box, vielleicht auch länger, wenn der Reiter gerade keine Zeit hat; vielleicht auch mit Schmerzmittel.

Schließlich kommt dann irgendwann jemand, der das Pferd herausholt und vorführt. „Hm, im Schritt eigentlich keine Lahmheit mehr, im Trab noch ein bisschen – Muskelkater…“. Da das Pferd auch schon etwas lustig ist, nach ein paar Tagen in der Box, darf es zumindest einmal auf die Koppel.

DESASTER!

Teil 4

Das Pferd freut sich, es darf endlich wieder hinaus – ab geht es.

Aber plötzlich – das Pferd steht auf drei Beinen – das vierte Bein erscheint irgendwie nicht belastbar – instabil!

Vielleicht blutet es sogar – vielleicht steht Knochen durch die Haut hervor.

Der Tierarzt kommt – es gibt keine Hilfe mehr – das Pferd muss schnellstens von seinen Leiden erlöst werden.

DESASTER!

ODER

Die Story:  die Heilung

Teil 1

Jede x-beliebige Vorgeschichte – in diesem Fall:

Eine Warmblutstute, 10 Jahre, erfolgreich im Springsport mittlerer Klasse, nimmt an einem Wochenende mit Ihrem ständigen Reiter beim Springtraining teil.

Die beiden kommen schlecht an ein Hindernis, die Stute springt schließlich doch, schwindelt sich irgendwie über das Hindernis, landet mühselig, geht noch ein paar Galoppsprünge und zeigt plötzlich eine Lahmheit am Vorderbein.

Teil 2

Besorgt springt der Reiter sofort vom Pferd, alle Umstehenden untersuchen das Bein des Pferdes und geben Kommentare ab: „Es hat sich wohl verknackst.“  Das Pferd wird an der Hand vorgeführt, es lahmt zwar noch, aber bei weitem nicht mehr so schlimm wie zuvor.

Der Reiter weiß jedoch von der Möglichkeit von Knochenverletzungen.

Im Idealfall wird sofort ein fachkundiger Tierarzt hinzugezogen; aber auch wenn nicht (warum auch immer), wird das weitere Springtraining für dieses Wochenende gestrichen, das Pferd erhält bis auf weiteres Boxen- bzw. Paddockruhe, das Kraftfutter wird reduziert oder ganz abgesetzt und außer lokaler Kühlungen etc. und ev. Arnica homöopathisch etc. wird dem Pferd KEIN Schmerzmittel verabreicht.

Abb 1: Radiusfissur / Haarriss Unterarm
Stützverband mit stabilisierender
Schiene
rechts vorne
Pferd ausgebunden

Teil 3

In den folgenden Tagen wird das Pferd täglich auf Lahmheit, Schwellungen, Schmerzhaftigkeit etc. kontrolliert. Sollte nach ca. 7 Tagen noch immer – auch nur eine geringe –   Lahmheit sichtbar sein, sollte spätestens jetzt ein fachkundiger Tierarzt hinzugezogen werden.

Das Pferd wird vom Tierarzt untersucht, diffuse Aufhellungslinien am Unterarm/Radius sind röntgenologisch darstellbar – der Tierarzt spricht den Fissurverdacht oder auch schon die Diagnose aus.

Therapie:

Boxenruhe für mindestens 6 Wochen – je nach Möglichkeit und Kooperation des Pferdes mit Stützverband und ausgebunden.
Schmerzmittel – nach Entscheidung des Tierarztes.
Kontrolluntersuchungen – Kontrollröntgen.

Teil 4

Mit entsprechendem Fütterungs- und Stallmanagement blieb das Pferd 6 Wochen in der Box ruhig.

Es entstanden keine Komplikationen wie z.B. Belastungshufrehe und auch kein Stabilitätsverlust des geschädigten Knochens.

Schließlich darf das Pferd über mehrere Wochen hindurch wieder an der Hand geführt, getrabt, Schritt geritten und letztendlich wieder wie früher gearbeitet werden.

AUSHEILUNG!


09.2018