Pferdegeburt Checkliste

Pferdegeburt Checkliste

Alles rund um die Geburt und die ersten Tage im Leben eines Fohlens

Was ist zu beachten, wenn die Stute tragend ist:

  • keine bzw. nicht zu massiv ausgeprägte Ödeme am Unterbauch (Wasseransammlungen)
  • kein frühzeitiger Milchfluss vor der Geburt (lebenswichtige Biestmilch geht verloren)
  • kein Ausfluss aus der Scheide vor der Geburt (rot, braun, eitrig …)
  • Verhalten sollte normal bleiben

Bei einer Abweichung den Tierarzt informieren, damit dieser Gegenmaßnahmen treffen kann.

Man sollte während der Trächtigkeit in jedem Fall die Stute noch bewegen. Schritt reiten, als Handpferd mitführen und auch Bodenarbeit sind eine gute „Schwangerschaftsgymnastik“.

Das Fohlen beginnt sich wenige Tage vor der Geburt zu drehen. Das kann sich bei der Stute äußerlich auswirken bzw. aussehen wie Wehen, leichtes Krampfen und ist im Regelfall normal; bei Unsicherheit aber auf jeden Fall einen Tierarzt kommen lassen!

Die Geburtsbox / der Geburtsbereich sollte sauber sein!
Der Boden fest, gut und sauber eingestreut sowie die Wände in jedem Fall geschlossen, damit der Neuankömmling nicht unabsichtlich aus der Box rutscht. Geburten auf freier Wiese sind – aus hygienischer Sicht – auch sehr gut.

Die Geburt beginnt:

Die Stuten haben für die Geburt gerne ihre Ruhe, daher warten sie mit der Geburt oft bis in die Nacht bzw. die frühen Morgenstunden.

Viele Pferdebesitzer wollen natürlich die Geburt live miterleben. Dies kann man mit einer Kamera aus der Ferne oder man verbringt die Zeit im Stall. Wichtig ist, der Stute Ruhe zu gewähren, damit die Geburt gut verlaufen kann.

Eine Pferdegeburt geht üblicherweise sehr schnell:
Spätestens ab dem Zeitpunkt, wo die Fruchtblase an der Scheidenöffnung sichtbar wird, erkennen (ungeübte) Pferdebesitzer, dass die Geburt stattfindet. Wenn Sie bei der Geburt anwesend sind, ist es von Vorteil, die Uhr im Auge zu behalten. Denn ab dem Sprung der Fruchtblase sollte es max 15 Minuten dauern bis das Fohlen heraußen ist.

Alles, was länger dauert, ist ein NOTFALL!!!

Nach der Geburt sollte man den Maul- und Nasenbereich des Fohlens vom Schleim befreien (sauberes Handtuch, Küchenrolle, Einweghandschuhe) und kurz kontrollieren ob das Fohlen atmet.

Dann wieder in RUHE lassen (Box verlassen)!

Die Stute darf nach Geburt vorerst noch liegen bleiben – es war ja anstrengend. Man könnte das Fohlen der Stute zum Kopf hinlegen, dass diese mit dem Reinigen ihres Neugeborenen beginnen kann (Bindung zum Fohlen).

Bei jedem Eingreifen in die Geburt und nach der Geburt ist wichtig: Sauberkeit und RUHE bewahren

  • Was tun wenn die Stute mit dem Hinterteil/Scheidenöffnung zu nah an der Mauer / Wand liegt?
    In Ruhe in die Box gehen, die Stute zum Aufstehen bewegen und dann sofort die Box wieder verlassen!
  • Was tun bei Komplikationen?
    Sofort den Tierarzt benachrichtigen und die Stute an der Hand führen bis der Tierarzt eingetroffen ist.

Die Nachgeburt:

Die Nachgeburt kommt relativ schnell und darf max. 6 Stunden an der Stute bleiben.

Hierbei sind folgende Punkte zu beachten:

  • Die Nachgeburt sollte nicht am Boden schleifen – dazu kann man sie am Schweif anbinden. Wichtig ist, dass ein Zug drauf bleibt, damit sich alles in der Gebärmutter  lösen kann.
    NICHT wegschneiden / wegreißen
    Die Nachgeburt aufheben, bis diese von einem Tierarzt auf Vollständigkeit kontrolliert wurde!
  • Durch Bakterien, welche an der Nachgeburt nach oben in die Gebärmutter wandern, kann es zu Nachgeburtsrehe und Entzündungen der Gebärmutter kommen. Auch bei Verbleiben von Nachgeburtsanteilen in der Gebärmutter kann es zu Erkrankungen kommen.
  • Idealerweise sollte die komplette Nachgeburt binnen einer Stunde nach der Geburt abgegangen sein. Falls es zur Verzögerung kommt  – Tierarzt kontaktieren. Dieser kann dann das weitere Vorgehen beurteilen!

Alles über 6 Stunden ist ein NOTFALL!!!

Nach der Geburt:

Das Fohlen sollte binnen einer Stunde aufstehen und versuchen, die Zitzen am Euter zu finden. Hierbei möglichst nicht vorzeitig „helfen“.

Säugetiere beginnen immer vorne zu suchen. Die Suche des Fohlens von vorne nach hinten fördert zudem den Milchfluss der Stute.

Wichtig:

Das Fohlen erhält seine lebenswichtigen Abwehrstoffe über das Kolostrum (Biestmilch) und kann dieses auch nur in den ersten Lebensstunden im Darm aufnehmen.

Sollte diese durch frühzeitigen Milchfluss vor der Geburt verloren gehen, sofort den Tierarzt kontaktieren. Dieser entscheidet dann das weitere Vorgehen.

Die so genannte „Fohlenimpfung“

Regelmäßig wird vom Tierbesitzer der Tierarzt um eine so genannte „Fohlenimpfung“ gebeten.

Hierbei handelt es sich um eine prophylaktische Applikation von equinen Hyperimmunseren, die prophylaktische Applikation von Antibiotika (meist Penicillin als Depotpräparat) oder die Applikation von Tetanusantiserum.

Die Verabreichung von Hyperimmunseren ist bei ausreichender Kolostrumversorgung nicht notwendig und sollte nur bei Fohlen mit Verdacht auf ungenügende IgG-Versorgung erfolgen.

Antibiotika haben eine schädigende Wirkung auf die Darmflora, fördern den Aufbau von Resistenzen und sind bei nur einmaligen Injektion so gut wie nicht wirksam.

Auch die Verabreichung von Tetanusantiserum ist bei normaler Kolostrumversorgung und ausreichendem Impfstatus der Mutter nicht notwendig.

Literaturangabe:
Aurich, Chr.: Reproduktionsmedizin beim Pferd, Gynäkologie – Androloie – Geburtshilfe; 2005; Parey Verlag, Seite 200

Die Fohlenlähme

 Die „Fohlenlähme“, besser als Fohlenseptikämie oder Fohlenpyämie bezeichnet, ist eine Infektionskrankheit der Saugfohlen. Der deutsche Trivialname „Fohlenlähme“ weist auf die häufig dabei auftretenden Gelenkentzündungen (Polyarthritis) hin.

Die septikämische Erkrankung kann aber auch ohne vorherige Symptome tödlich verlaufen.

Die Infektion erfolgt entweder bereits im Mutterleib, während der Geburt oder in den ersten Lebenswochen. Bei vorgeburtlicher Infektion treten die ersten Symptome meist 12 bis 36 Stunden nach der Geburt auf.

Eine verspätete oder eine zu geringe Kolostrum-Aufnahme ist ein begünstigender Faktor. Bei Infektionen treten klinische Erscheinungen meist nach 24 bis 48 Stunden auf. Die Aufnahme mütterlicher Antikörper mit dem Kolostrum kommt für diese Infektion meist zu spät.

Infektionen nach der Geburt sind auf eine keimbelastete Umgebung und auf eine ungenügende Kolostrumaufnahme zurückzuführen.

Erkrankte Fohlen zeigen Fieber, stark gestörtes Allgemeinbefinden und Saugunlust. Im weiteren Verlauf können Symptome einer Lungenentzündung, Durchfall, neurologische Erscheinungen infolge einer Meningitis und später schmerzhafte und geschwollene Gelenke auftreten.

Bei Infektionen nach der Geburt ist die Frühentwicklung des Fohlens meist ungestört, bis dann plötzlich die Vitalität nachlässt und die gleichen Symptome auftreten.

Soll die Behandlung eine realistische Erfolgschance haben, muss sie sofort bei Auftreten der ersten Symptome und schulmedizinisch intensiv erfolgen; im Sinne von Breitbandantibiotika, Entzündungshemmer, Infusionen, Gelenkspülungen bis hin zu (vorübergehender) künstlicher Ernährung – je nach Schweregrad der Infektion.

Ein derart erkranktes Fohlen ist ein INTENSIVPATIENT und ist oft in einer dafür eingerichteten Klinik am besten aufgehoben (samt Mutterstute).

Literaturangabe: Dietz, O.:
Handbuch Pferdepraxis. Georg Thieme Verlag, 2006, ISBN 9783830410287, S. 156–158

KURZE CHECKLISTE

VOR der Geburt

  • keine bzw. nicht zu massiv ausgeprägte Ödeme am Unterbauch (Wasseransammlungen)
  • kein frühzeitiger Milchfluss vor der Geburt (lebenswichtige Biestmilch geht verloren)
  • kein Ausfluss aus der Scheide vor der Geburt (rot, braun, eitrig …)
  • Verhalten sollte normal bleiben
  • Trächtigkeitsdauer 320 – 360 Tage

BEI der Geburt 

  • rund um die Geburt muss Sauberkeit herrschen
  • Geburtsdauer ab Platzen der Fruchtblase max 15 min
  • Vorderbeine versetzt nebeneinander – Hufunterseite nach unten – Nase vom Fohlen auf den Vorderbeinen

NACH der Geburt

Daten eines gesunden Fohlen:

  • Einsetzen Schluckreflex ca. 20 min
  • erstes Stehen des Fohlens ca. 57 min
  • erstes Saugen an der Mutter ca. 111 min
  • IKT 37,1 – 38,9 °C
  • Mekoniumabgang vollständig nach 24 h
  • Harnabsatz innerhalb 12 h

Nachgeburt sollte bei der Stute innerhalb 60 min vollständig abgehen


01.2022